Halle & der GlaubePerson1710–1784
Die Bachs und Halle
Wilhelm Friedemann Bach
„Der Hallische Bach“, Musikdirektor und Organist der Marktkirche
Beinahe hätte Halle Johann Sebastian Bach bekommen: Im Dezember 1713 wurde er zum Organisten der Marktkirche gewählt, im Jahr darauf lehnte er ab. Was die Stadt schließlich bekam, war sein ältester Sohn Wilhelm Friedemann Bach – ab 1746 achtzehn Jahre lang Musikdirektor der Marktkirche, „der Hallische Bach“.
Wahl und Absage
Im Dezember 1713 wählte die Marktkirche Johann Sebastian Bach zu ihrem neuen Organisten; im Februar 1714 aber zog er zurück – der Weimarer Hof hielt ihn mit einer Gehaltserhöhung, und er blieb, wo er war. Damit war die Verbindung nicht abgerissen: 1716 wurde die neue Orgel der Marktkirche fertig, und er kam mit Kuhnau und anderen zu ihrer Abnahme. Die Berührung des Vaters mit Halle bestand aus einer Wahl, einer Absage und einer Orgelabnahme.
Der Hallische Bach
Dreißig Jahre später ließ sich dieser Name wirklich in Halle nieder. Im April 1746 trat der älteste Sohn Wilhelm Friedemann Bach das Amt des Musikdirektors und Organisten der Marktkirche an, bis zum Juni 1764, insgesamt achtzehn Jahre lang – „der Hallische Bach“. Die große Orgel auf der Westseite, an der er spielte, war eben jene Cuntzius-Orgel, die der Vater einst abgenommen hatte – die Tasten unter der Hand des Sohnes waren mit jener Prüfung des Vaters verbunden.
Gehäuse und Werk
Diese große Orgel steht bis heute auf der Westseite der Marktkirche: Das Gehäuse ist das Original von 1716, eben die von Bach abgenommene Cuntzius-Orgel; das Innenwerk aber wurde 1984 von Schuke neu erbaut, mit rund 4.170 Pfeifen. Altes Gehäuse, neuer Klang – die Orgel erklingt noch immer.
Was Vater und Sohn Bach Halle hinterließen, war das eine ein Abnahmeprotokoll, das andere achtzehn Jahre Orgelklang; doch die Anbetung dieser Stadt währt länger als jeder Name. Heute singen wir in Halle auf Chinesisch, und gepriesen wird eben jener Gott, dem Vater und Sohn Bach damals an der Orgelempore dienten.
Quellen