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Halle (Saale)
哈勒华人基督团契Chinesisch Christliche Gemeinde Halle

Halle & der Glaube

Die Stadt der Kirchenmusik

Von Scheidt bis zum Glockenklang des Roten Turms – vierhundert Jahre ununterbrochenes Lob

„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“– Arie aus Händels Messias, heute die Stundenmelodie des Carillons im Roten Turm

In Halle ist der Glaube hörbar. Scheidt spielte die Orgel in der Kirche der Salzwirker, Händel wurde in der Marktkirche getauft, Bach kam zur Orgelprüfung hierher, und sein ältester Sohn versah hier achtzehn Jahre lang den Dienst an der Orgel; heute schlägt der Rote Turm im Stadtzentrum täglich die Stunde mit einer Melodie aus dem Messias. Vierhundert Jahre lang hat diese Stadt das, was sie glaubt, laut heraussingen lassen.

Vorklang

Spricht man von Halles Kirchenmusik, denkt man zuerst an Händel; dabei besaß die Stadt schon ein Jahrhundert vor ihm ihren eigenen Meister. Samuel Scheidt (1587–1654) wurde in Halle geboren und starb dort; er spielte die Orgel an der Moritzkirche, der Mutterkirche der Salzwirker. In jungen Jahren zog er weit fort nach Amsterdam und studierte bei Sweelinck; nach seiner Rückkehr schuf er die „Tabulatura nova“ (1624), einen Meilenstein in der Geschichte der Orgelmusik – die Nachwelt zählt ihn zu den „drei S“ des frühen deutschen Barock. Der Orgelklang Halles ist seit ihm nicht mehr verstummt.

Der Organist mit siebzehn

Am 23. Februar 1685 wurde Händel in Halle geboren und schon am folgenden Tag in der Marktkirche getauft. Bei Zachow, dem Organisten dieser Kirche, ging er in die Lehre; am 13. März 1702 wurde der Siebzehnjährige zum Organisten am Halleschen Dom bestellt – einer Kirche mit reformierter (calvinistischer) Gemeinde. Dass ein lutherischer Jüngling in einer calvinistischen Kirche die Orgel spielte, ist für sich schon eine Fußnote zur Weite Halles. Im folgenden Jahr ging er nach Hamburg; später trug das „Halleluja“ aus dem Messias den Namen dieser Stadt in alle Welt.

Händel-Denkmal aus Bronze auf dem Marktplatz
Händel-Denkmal auf dem Marktplatz · Romzig · CC0

Vater und Sohn Bach

Im Dezember 1713 wählte die Marktkirche einen neuen Organisten: Johann Sebastian Bach aus Weimar. Der Weimarer Hof hielt ihn mit einer Gehaltserhöhung, und im Februar des folgenden Jahres zog er seine Bewerbung zurück. Doch die Verbindung riss nicht ab – 1716 kam Bach mit Kuhnau und anderen nach Halle, um für die Marktkirche die neu erbaute große Orgel abzunehmen. Dreißig Jahre später trat sein ältester Sohn Wilhelm Friedemann Bach im April 1746 das Amt des Musikdirektors und Organisten an dieser Kirche an und übte es bis Juni 1764 aus – achtzehn Jahre lang; man nennt ihn den „Halleschen Bach“.

Zwei Orgeln

Wer heute die Marktkirche betritt, sieht zwei Orgeln. Die kleine Orgel auf der Ostseite ist die Reichel-Orgel von 1664 – an eben ihr lernte der junge Händel das Spiel, und das Original ist bis heute erhalten. Die große Orgel auf der Westseite verlangt eine getrennte Betrachtung: Ihr Gehäuse stammt von 1716, es ist gerade die Cuntzius-Orgel, die Bach damals abnahm; das Innenwerk wurde 1984 von Schuke neu erbaut und zählt rund 4.170 Pfeifen. Die eine Orgel hat das Üben des jungen Händel gehört, die andere klingt mit neuer Stimme in einem dreihundert Jahre alten Gehäuse – Altes und Neues erklingen zusammen im selben Gotteshaus.

Der Gesang der Gemeinde

Über Orgel und Organist hinaus gibt es noch den Gesang der Gemeinde. 1704 stellte Freylinghausen in Halle sein Gesangbuch zusammen: 683 Lieder und 173 Melodien – das bedeutendste Gesangbuch des Pietismus. Mit dem Halleschen Waisenhaus war er aufs Engste verbunden: 1715 heiratete er die einzige Tochter August Hermann Franckes (1663–1727); und ab 1727 leitete er gemeinsam mit Franckes Sohn die Stiftungen. Der Glaube des Waisenhauses und der Gesang der Gemeinde entsprangen ein und derselben Quelle.

Die Glocken von heute

Dieser musikalische Strom ist bis heute nicht abgerissen. 1922 richtete Halle zum ersten Mal die Händel-Festspiele aus, seit 1952 jährlich, und der Messias wird dabei regelmäßig aufgeführt; die einstige Ulrichskirche wurde 1976 zur Konzerthalle umgebaut und ist heute gerade der Spielort der Festspiele – aus einer Kirche wird ein Konzertsaal: eine für diese Stadt typische Wendung.

Im Stadtzentrum aber hängen im Roten Turm 76 Bronzeglocken, 1999 vollendet und als das größte Carillon Europas gerühmt; die Stundenmelodie stammt aus der Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ aus dem Messias. Das Zentrum Halles verkündet mit seinem Glockenklang Tag für Tag die Auferstehung. Händels Standbild steht auf dem Marktplatz, zwischen den Türmen der Marktkirche; wir singen in dieser Stadt auf Chinesisch geistliche Lieder und beten eben denselben auferstandenen Herrn an.

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Quellen