Halle & der GlaubeOrt1554
Marktkirche Unser Lieben Frauen
die viertürmige Kirche am Markt zu Halle, bei ihrer Vollendung bereits evangelisch
Zwei alte mittelalterliche Kirchen hinterließen vier Türme; ein neuer Bau, errichtet zur Eindämmung der Reformation, war bei seiner Vollendung bereits evangelisch. Luther predigte hier, Händel wurde hier getauft und lernte hier das Orgelspiel – die Marktkirche Unser Lieben Frauen steht am Markt und ist bis heute eine Kirche, in der man sich versammelt.
Zwei Kirchen werden eins
Am 17. Mai 1529 fasste die Stadt den Beschluss: Zwei alte Kirchen sollten zu einer vereinigt werden – im Westen die St.-Gertruden-Kirche der Salzwirkergilde aus dem 11. Jahrhundert, im Osten die St.-Marien-Kirche der Kaufmannsgilde aus dem 12. Jahrhundert. Die alten Schiffe wurden abgetragen, die beiden Turmpaare blieben stehen, und dazwischen erhob sich ein neues großes Schiff; in zwei Phasen, 1530–1539 und 1542–1554, wurde es vollendet, den Abschluss besorgte Nickel Hoffmann.
Ursprünglich war dies ein Vorhaben Kardinal Albrechts zur Eindämmung der Reformation. Auf halbem Weg des Baus, 1541, wechselte Halle das Bekenntnis; bei ihrer Vollendung war sie bereits eine evangelische Kirche. Vier Türme stehen nebeneinander, nur zwischen den beiden Hausmannstürmen im Osten spannt sich eine Türmerbrücke; mit dem Roten Turm erhielt Halle den Namen „Stadt der fünf Türme“.
Luthers Spuren
Zwischen dem 5. August 1545 und dem 26. Januar 1546 predigte Luther dreimal hier – das letzte Mal, weil das Eis der Saale ihn in der Stadt festhielt und er kurzerhand an Ort und Stelle die Kanzel bestieg. In der Nacht des 20. Februar 1546 stand sein Sarg in der alten Sakristei aufgebahrt; die der Überlieferung nach am Sterbebett abgenommene Wachsmaske und der Handabguss stehen heute noch in einer Glasvitrine im Turm. Ob Luther seinerzeit die Sandsteinkanzel aus der Hoffmann-Werkstatt in dieser Kirche benutzt hat, überliefern die Quellen widersprüchlich, und es bleibe dahingestellt.
Händels Orgeln
Am 23. Februar 1685 wurde Händel in Halle geboren und tags darauf hier getauft; später lernte er beim Organisten der Kirche, Zachow. Die kleine Orgel im Osten ist die Reichel-Orgel von 1664 – das Instrument, an dem der junge Händel übte, ist im Original bis heute erhalten; von der großen Orgel im Westen ist das Gehäuse ein Altbestand von 1716, dessen Abnahme J. S. Bach mit prüfte, während das Werk im Inneren 1984 neu gebaut wurde.
Die Kirche heute
Diese Kirche ist kein Museum geworden. Seit 1981 finden hier die „Friedensdekaden“ statt; am Abend des 9. Oktober 1989 zogen die Friedensgebete aus der Kirche auf den Platz und zahlten ihren Preis. Heute versammelt sich hier noch immer eine Gemeinde; auf dem Platz steht das Händel-Denkmal aus Bronze. In derselben Stadt beten wir auf Chinesisch an – und wen wir anbeten, ist eben dieser eine Gott.
Quellen