Halle & der GlaubePerson1587–1654
Samuel Scheidt
Organist an der Moritzkirche, eines der drei „S“ des frühen deutschen Barock
Wenn Hallenser von der Musik ihrer Stadt sprechen, denken sie zuerst an Händel. Dabei hatte diese Stadt schon ein Jahrhundert vor ihm ihren eigenen Orgelmeister – Samuel Scheidt (1587–1654), in Halle geboren, in Halle gestorben, und die Orgel, an der er spielte, stand in der Moritzkirche, der Mutterkirche der Salzwirker.
Die Mutterkirche der Salzwirker
Halle siedet seit über tausend Jahren Salz, und die salzsiedenden Halloren hatten ihre eigene Kirche: die Moritzkirche, im 12. Jahrhundert gegründet und in ihrer heutigen Gestalt spätgotisch – ein „Schlüsselwerk der mitteldeutschen Spätgotik“ –, seit 1542 lutherisch. In eben dieser Kirche spielte Scheidt die Orgel. Die Stadt lebte vom Salz, die Salzwirker beteten in ihrer eigenen Kirche, und auf der Orgelempore saß ein Mann, der später in die Musikgeschichte eingehen sollte.
Nach Norden und zurück
Scheidt zog einst nach Norden, nach Amsterdam, und ging dort bei Sweelinck in die Lehre, dann kehrte er an die Orgelempore seiner Heimatstadt zurück. 1624 erschien seine „Tabulatura nova“, ein Meilenstein in der Geschichte der Orgelmusik; die Nachwelt zählte ihn zu den drei „S“ des frühen deutschen Barock.
Salz und Orgel
Was die heimische Kirchenmusik Halles angeht, war Scheidt ein Jahrhundert vor Händel da. Händel verließ Halle schon mit achtzehn Jahren; Scheidts Leben aber begann in dieser Stadt und endete auch in ihr.
Halle siedet seit über tausend Jahren Salz und wird die Salzstadt genannt; Jesus nannte seine Jünger „das Salz der Erde“ (Matthäus 5,13). Vor vierhundert Jahren sangen die Salzwirker in der Moritzkirche, und Scheidt spielte für sie die Orgel; heute singen wir in derselben Stadt auf Chinesisch. Die Orgel und die Melodien haben gewechselt, gepriesen aber wird derselbe Gott.
Quellen