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Halle (Saale)
哈勒华人基督团契Chinesisch Christliche Gemeinde Halle

Halle & der GlaubePerson1915–1994

Kurt Aland

Herausgeber des griechischen Neuen Testaments Nestle-Aland, 1947–1958 in Halle

Schlägt man das griechische Neue Testament auf, das heute auf dem Schreibtisch jedes Theologiestudenten liegt, so stehen auf dem Titelblatt zwei Namen nebeneinander: Nestle und Aland. Der Träger des zweiten Namens, Kurt Aland, war von 1947 bis 1958 in Halle; die Art, wie er Halle verließ, war ebenso ein Zeugnis wie der Text, den er edierte.

Die Stadt des Buches

Diese Stadt hat mit dem Buch der Bibel tief zu tun. 1710 wurde in Halle die Cansteinsche Bibelanstalt gegründet – die älteste Bibelgesellschaft der Welt, die mit ihrem nie abgebauten „stehenden Satz“ den Preis der Bibel so weit senkte, dass auch die Armen sie kaufen konnten; in den Regalen der Marienbibliothek steht eine Erstausgabe der Lutherbibel von 1534; im 19. Jahrhundert verfasste der in Halle lehrende Gesenius das bis heute maßgebliche hebräische Wörterbuch.

1947 kam Aland nach Halle und blieb elf Jahre. Später stand sein Name auf dem Titelblatt der kritischen Ausgabe des griechischen Neuen Testaments neben dem Nestles – wer das Neue Testament im Urtext studiert, hat meist eben diese Ausgabe auf dem Schreibtisch.

Neunzehnhundertachtundfünfzig

Das Nachkriegs-Halle lag unter der Herrschaft der DDR; dass die Kirche unter Verfolgung Zeugnis ablegte, ist eine der Hauptlinien dieser Stadt im 20. Jahrhundert. Aland wollte sich nicht beugen: Wegen seines Widerstands gegen das DDR-Regime wurde er 1958 entlassen und floh danach nach West-Berlin. Auch die Gelehrsamkeit auf dem Schreibtisch muss, wenn es darauf ankommt, ihren Preis zahlen.

Einunddreißig Jahre nach seinem Weggang, am 9. Oktober 1989, wurden die Friedensgebete in der Marktkirche und die Versammlung auf dem Marktplatz mit Schlagstöcken und Hunden geräumt, 41 Menschen wurden verhaftet; einen Monat später fiel die Mauer. Das Zeugnis gegen die Übermacht setzte sich in dieser Stadt fort und fort; Alands Jahr 1958 gehört in diese Reihe.

Das Buch auf dem Schreibtisch

Wir lesen in dieser Stadt die chinesische Bibel; wer tiefer forscht, hat vielleicht noch ein griechisches Neues Testament auf dem Schreibtisch. Das Wort Gottes ist in die Hände jeder Generation gelangt und dabei stets behütet worden – jemand hat es abgeschrieben, jemand gedruckt, jemand ediert, jemand hat es angesichts der Übermacht nicht losgelassen. Canstein brachte die Bibel in die Häuser der Armen; Aland edierte den griechischen Urtext des Neuen Testaments und zahlte 1958 den Preis seines Lehrstuhls. Das Buch und das Zeugnis sind in Halle immer miteinander verbunden.

Wenn heute ein Theologiestudent das Neue Testament aufschlägt, auf dessen Titelblatt Nestle und Aland gedruckt stehen, denkt er wohl nicht an Halle. Doch hinter diesem Titelblatt steht auch diese Stadt.

Quellen