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Halle (Saale)
哈勒华人基督团契Chinesisch Christliche Gemeinde Halle

Halle & der Glaube

Zeugnis unter Verfolgung

Unter zwei Diktaturen verschwand die Kirche nicht

Das zwanzigste Jahrhundert stellte die Kirche in Halle vor zwei schwere Aufgaben: erst das Dritte Reich, dann die langen Jahre der DDR. Predigten wurden verboten, Hirten verhaftet, und auf den Plänen der Neustadt war für eine Kirche bewusst kein Platz vorgesehen. Doch beide Diktaturen sind vergangen, und die Kirche ist geblieben. In jener Nacht des 9. Oktober 1989 hat diese Stadt dafür einen bitteren Preis gezahlt.

Sie schwiegen nicht

Nach 1933 verlangte das Dritte Reich, dass sich die Kirche beuge; der Teil der deutschen Kirche, der sich nicht beugen wollte, erhob sich zum Bekenntnis und nannte sich die Bekennende Kirche. Der Hallesche Superintendent Wolfgang Staemmler (1889–1945) war gerade der Leiter der Bekennenden Kirche in der Kirchenprovinz Sachsen: Ab 1934 wurde über ihn ein Predigtverbot verhängt – für einen Prediger kommt das fast einem Verstummen gleich; und über das Verbot hinaus kam eine Verhaftung nach der anderen. Doch die bekennende Stimme ließ sich nicht aufhalten: 1937 tagte in Halle die zweite Sitzung der vierten Reichsbekenntnissynode der Bekennenden Kirche und verabschiedete eine Erklärung zum Abendmahl. Seine Kanzel war versiegelt, die Kirche aber redete weiter.

Was der Plan nicht vorsah

Nach dem Krieg trat eine andere Herrschaft die Nachfolge an. Die DDR plante für Halle die sozialistische Neustadt (Halle-Neustadt), und auf den Plänen war bewusst keine einzige Kirche vorgesehen – als ließe sich Gott aus einer Stadt herausplanen. Doch die alte Passendorfer Kirche (erbaut 1720–1723) durchkreuzte die Absicht der Planer und wurde zur Kirche der Neustadt; junge Menschen fanden in der „Offenen Arbeit“ der Gemeinde einen Freiraum: In Jahren, in denen alles verplant war, ließ sich hier fragen, reden, atmen. So genau ein Plan auch rechnet – das menschliche Herz rechnet er nicht ein.

Panorama der Hallenser Innenstadt mit den vier Türmen der Marktkirche und dem Roten Turm im selben Bild
Panorama von Marktkirche und Rotem Turm · Reimund Schmidt-De Caluwe · CC BY-SA 4.0

Der neunte Oktober

In der Marktkirche wurde seit 1981 die „Friedensdekade“ gehalten – noch ehe die Mauer fiel, hatte diese Stadt schon acht Jahre lang gebetet. Am 9. Oktober 1989 wurden das Friedensgebet in der Kirche und die Versammlung auf dem Marktplatz mit Schlagstöcken und Hunden geräumt, 41 Menschen wurden verhaftet. In derselben Nacht ging die Leipziger Versammlung friedlich aus; Halle aber zahlte den bittereren Preis. Einen Monat später fiel die Berliner Mauer.

Vor über vierhundert Jahren erklang in dieser Kirche die erste evangelische Predigt Halles; 1989 ging von hier auch das Gebet um Frieden aus.

Das heutige Bild

Beide Diktaturen sind Geschichte geworden, die Kirche ist geblieben. Der Kirchenkreis Halle der EKM zählt heute rund 26.000 Protestanten und 65 Gemeinden; die 1717 zurückgekehrte katholische Kirche wuchs nach dem Krieg mit den aus dem Osten zuströmenden Deutschen; im Dom besteht der reformierte Gottesdienst seit 1688 bis heute fort; dazu gibt es in der Stadt Freikirchen wie die Baptisten und Gemeinden verschiedener Migrantengruppen. Auf dieser Landkarte kommt ein zeitgenössischer Zug hinzu: die Chinesisch Christliche Gemeinde Halle.

Für jene „Tür, die niemand zuschließen kann“, hat Halles zwanzigstes Jahrhundert Zeugnis abgelegt: Verbote haben es versucht, Baupläne haben es versucht, Schlagstöcke haben es versucht – die Tür ging nicht zu. Und heute geschieht die Anbetung hinter dieser Tür auch auf Chinesisch.

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Quellen