Halle & der GlaubePerson1670–1739
Freylinghausen
Johann Anastasius Freylinghausen
Herausgeber des „Geistreichen Gesangbuchs“; Schwiegersohn und Mit-Nachfolger Franckes
Der Hallesche Pietismus gründete nicht nur Schulen, er sang auch. 1704 veröffentlichte Freylinghausen in dieser Stadt das „Geistreiche Gesangbuch“: 683 Lieder und 173 Melodien – das bedeutendste Gesangbuch des Pietismus.
Gesungener Glaube
Die lutherische Kanzel war einst voll „toter Lehre“; die pietistische Bewegung erhob sich und bekräftigte erneut die Wiedergeburt, den persönlichen Glauben, die eigene Erfahrung. Ein solcher Glaube lässt sich nicht nur hören, er will auch mit dem Mund gesungen werden. Der ihn in ein Buch fasste, war Franckes Hallescher Weggefährte Freylinghausen: Halle hatte damals eine Universität (1694) und ein Waisenhaus (1698), und ab 1704 auch sein eigenes Liederbuch.
Schwiegersohn und Mitarbeiter
1715 heiratete Freylinghausen die einzige Tochter Franckes (August Hermann Francke, 1663–1727); ab 1727 leitete er gemeinsam mit Franckes Sohn die Franckeschen Stiftungen. Liederbuch und Waisenhaus gehörten von jeher zusammen: dieselbe Bewegung, die mit der einen Hand Schulen gründete und mit der anderen Lieder schrieb, wollte, dass die Menschen Gott wirklich erkennen.
Weitersingen
Auch wir singen, wenn wir uns versammeln. Jener Glaube, den die Hallenser vor dreihundert Jahren sangen – der wiedergeborene, der eigene, der mit dem Mund bekannte – wird in derselben Stadt heute auf Chinesisch weitergesungen.
Quellen