Halle & der GlaubePerson1493–1555
Justus Jonas
Reformator von Halle, enger Freund Luthers
Justus Jonas hielt 1541 am Karfreitag in der Marktkirche die erste evangelische Predigt. In den folgenden drei Jahren reichte er in dieser Stadt das Abendmahl in beiderlei Gestalt, erließ eine Kirchenordnung und wurde vom Rat ins Amt eingesetzt; seine schwerste Predigt aber hielt er 1546 in Eisleben – die Leichenpredigt für seinen Freund Luther.
Der Gast aus Wittenberg
Jonas stammte aus dem Wittenberger Reformationskreis und war Luther eng verbunden. 1541 kam er im Auftrag des sächsischen Kurfürsten nach Halle – Kardinal Albrecht hatte die Stadt gerade im Februar mit seinen Reliquien verlassen; diese Hauptstadt der Reliquien wartete auf einen, der predigte.
Die Karfreitagspredigt
Am 15. April 1541, am Karfreitag, hielt er in der Marktkirche die erste evangelische Predigt; am 28. April reichte er das Abendmahl in beiderlei Gestalt, Brot und Kelch, der ganzen Gemeinde. An Weihnachten desselben Jahres wurde die Ulrichskirche in Gebrauch genommen, um die andrängende evangelische Gemeinde zu fassen.
Kirchenordnung und Amt
1543 erließ er die Hallesche Kirchenordnung; am 3. November 1544 wurde er vom Rat förmlich ins Amt eingesetzt, was die Zeitgenossen als „Erhebung zum Bischof“ bezeichneten. Von der ersten Predigt bis zur Amtseinsetzung waren es nur dreieinhalb Jahre – die kirchliche Ordnung einer ganzen Stadt hatte er begründet.
Die Leichenpredigt
Im Januar 1546 hielt das Eis der Saale Luther auf dem Weg nach Eisleben auf, und so kehrte er bei Jonas ein und bestieg dort die Kanzel. Am 18. Februar starb Luther in Eisleben; tags darauf hielt Jonas seinem Freund in der dortigen St.-Andreas-Kirche die Leichenpredigt. In der Nacht des 20. Februar zog der Sarg durch Halle und stand eine Nacht in der Marktkirche, die Jonas versorgte.
Das Evangelium kam nach Halle über die Kanzel und über die Freundschaft. Heute versammelt sich in dieser Stadt ebenso eine chinesische Gemeinschaft, liest die Schrift und trägt einander – denselben Weg gehen wir noch.
Quellen