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Halle (Saale)
哈勒华人基督团契Chinesisch Christliche Gemeinde Halle

Halle & der GlaubePerson1483–1546

Luther und Halle

Martin Luther

Auslöser der Reformation, predigte im Alter dreimal in der Marktkirche zu Halle

Martin Luther hat sich zeit seines Lebens nie in Halle niedergelassen, doch dreimal bestieg er die Kanzel der Marktkirche, und nach seinem Tod stand sein Sarg noch eine Nacht in ihr. Das andere Ende des Ablasssturms, das Haus seines Freundes Jonas, das wegsperrende Eis der Saale – diese Stadt ist eine stille und doch gewichtige Seite in seiner Geschichte.

Streitschrift und Eklat

Im Oktober 1521 verfasste Luther auf der Wartburg die Schrift „Wider den Abgott zu Halle“, gerichtet gegen den Reliquienkult, den Kardinal Albrecht in Halle betrieb. Spalatin unterdrückte die Schrift im Auftrag des sächsischen Kurfürsten, und so wandte sich Luther am 1. Dezember unmittelbar an den Kardinal selbst: Binnen vierzehn Tagen solle er „den Abgott zu Halle“ abstellen, sonst werde die Schrift erscheinen. Am 21. Dezember lenkte der Kardinal in einem kleinlauten Antwortschreiben ein.

Diese Streitschrift wurde zu Luthers Lebzeiten nie gedruckt; das Manuskript liegt heute in der Bodleian Library in Oxford. Der Name Halle aber steht seither auf einer der gespanntesten Seiten der Reformation.

Dreimal auf der Kanzel

Am 5. August 1545 predigte Luther zum ersten Mal in der Marktkirche; am 6. Januar 1546 bestieg er diese Kanzel erneut. Das letzte Mal aber hielt ihn das Wasser: In jenem Januar eilte er zu einer Schlichtung nach Eisleben, doch das anschwellende Eis der Saale versperrte ihm den Weg. So blieb er in Halle, kehrte bei seinem Freund Justus Jonas ein und predigte am 26. Januar an Ort und Stelle. Was ihn auf die Kanzel zu Halle brachte, war eben diese Saale, die mitten durch die Stadt fließt.

Sarg und Totenmaske

Am 18. Februar 1546 starb Luther in Eisleben; tags darauf hielt Jonas ihm in der dortigen St.-Andreas-Kirche die Leichenpredigt. Am Abend des 20. Februar erreichte der nach Wittenberg zurückkehrende Sarg Halle und stand in jener Nacht in der alten Sakristei der Marktkirche; am 22. Februar wurde Luther in Wittenberg beigesetzt.

In der Kirche werden bis heute eine Wachsmaske und ein Abguss beider Hände verwahrt, die der Überlieferung nach der Hallenser Maler Furtenagel am Sterbebett in Eisleben abgenommen haben soll; die frühesten gesicherten Belege reichen jedoch nur bis 1663 zurück, und 1926 wurden sie durch die Hand des Anthropologen Hahne noch einmal stark überarbeitet. Heute stehen sie in einer Glasvitrine im Turm, zu begrenzten Öffnungszeiten zu sehen – ob man sie nun betrachtet oder nicht, das Wort „überliefert“ muss vorangestellt sein.

Dieselbe Stadt

Luther gehört Wittenberg, und Halle liegt rund 63 km Luftlinie entfernt. Doch in dieser Stadt ist er kein Denkmal, sondern der Gast, der predigte, der Freund, der bei Jonas wohnte, der Reisende, dessen Sarg auf dem Rückweg hier aufgebahrt wurde. Heute betet in derselben Stadt eine Gemeinschaft chinesischer Christen auf Chinesisch an – und was er auf der Kanzel der Marktkirche verkündigte, ist eben derselbe Gott, an den auch wir glauben.

Quellen