Halle & der GlaubePerson1635–1705
Philipp Jakob Spener
Vater des Pietismus; der Seelsorger, der Francke nach Halle empfahl
Auf den Kanzeln des Luthertums stand die Lehre noch, doch das Leben erkaltete allmählich. Ein Frankfurter Pfarrer lud die Menschen in sein eigenes Haus zur Versammlung – er hieß Spener und wird der Vater des Pietismus genannt. Alles, was in Halle später geschah, beginnt bei den Versammlungen in seinem Haus.
Die tote Lehre
Die lutherische Kirche des 17. Jahrhunderts erbte die Lehre der Reformation, doch die Kanzel wurde zusehends formelhaft und war voll „toter Lehre“. Der Pietismus erhob sich zur Antwort: Der Mensch braucht die Wiedergeburt, er braucht einen persönlichen Glauben, er braucht die eigene Erfahrung dieses Gottes.
Die Collegia pietatis
Spener (Philipp Jakob Spener, 1635–1705) las Johann Arndts „Wahres Christentum“ und erfuhr eine geistliche Erneuerung. 1666 wurde er Senior des Predigerministeriums in Frankfurt und hielt in seinem Haus die „Collegia pietatis“, die er eine „ecclesiola in ecclesia“, eine kleine Kirche in der Kirche, nannte. 1675 erschienen in Frankfurt die „Pia Desideria“.
Geburtshelfer für Halle
Spener verließ danach Frankfurt und kam über Dresden nach Berlin. Die Universität Halle wurde 1694 förmlich eröffnet, doch die Besetzung der Theologischen Fakultät stand längst fest: Im Oktober 1691 trat Breithaupt das erste theologische Ordinariat an; im Dezember wurde auf Speners Empfehlung Francke (August Hermann Francke, 1663–1727) berufen und trat im folgenden Januar sein Amt an. All das betrieb er im Hintergrund am Berliner Hof. Breithaupt, Paul Anton und Francke wurden später gemeinsam die drei Säulen des Halleschen Pietismus genannt.
Kleine Versammlung und Gemeinschaft
Spener kam nie nach Halle, um zu lehren, und doch hing alles, was in Halle entstand, an seiner Empfehlung. „Eine kleine Kirche in der Kirche“ – ein paar Menschen versammeln sich im Haus und glauben es ernst – dieses Bild ist den Geschwistern einer Gemeinschaft nicht fremd. Wenn Gott seine Kirche erneuert, beginnt es oft mit einer kleinen Schar: von der kleinen Versammlung im Frankfurter Haus über das Waisenhaus in Halle bis zur chinesischen Gemeinschaft in dieser Stadt heute – diese Linie ist nie abgerissen.
„Was hilft es, dass jemand die Schrift liest, wenn er den Geist nicht kennt, der die Schrift eingegeben hat?“
– Jakob Böhme (sinngemäß)
Quellen