Halle & der GlaubePerson1703–1791
John Wesley und Halle
John Wesley
Begründer des Methodismus; besuchte 1738 das Hallesche Waisenhaus
Was Wesley nach Halle führte, war eine unsichtbare Linie: zuerst der junge Zinzendorf an Franckes Schule, dann die Herrnhuter Brüdergemeine, und erst zuletzt er selbst. 1738, nach Aldersgate, trat er auf seiner Deutschlandreise in das Waisenhaus von Halle ein.
Eine Linie
Von John Wesleys ganzem Leben gehört Halle nur eine Linie – und ein Tag. Nach der gängigen Einschätzung der Kirchengeschichte hat der Hallesche Pietismus sowohl die erkaltete Kirche erneuert als auch Zinzendorf und die Brüder Wesley geprägt: Die Schule August Hermann Franckes (1663–1727) brachte Zinzendorf hervor, Zinzendorf gründete die Herrnhuter Brüdergemeine, und die Herrnhuter traten in das Leben Wesleys ein.
Jener Tag
1738, nach Aldersgate, führte Wesleys Deutschlandreise ihn nach Halle. Er erhielt Zutritt zu dem Waisenhaus, das Francke hinterlassen hatte – ein Werk, das anfangs kein Geld hatte, sondern nur einen Menschen, der fest darauf vertraute, dass Gott das Gebet erhört, und die Spenden strömten von überall her tatsächlich herbei. Was Wesley sah, war ein Haus, das auf Gebet errichtet worden war.
In seinem Tagebuch nannte er es „jenen erstaunlichen Beweis“ – Beweis wofür? Dafür, „dass dem, der da glaubt, noch immer alle Dinge möglich sind“ (im englischen Original: „that all things are still possible to him that believeth“). Danach bat er um eine Begegnung mit Franckes Sohn.
Die Nachwirkung
Diese Linie fließt von Halle weiter hinab, und flussabwärts liegen der Methodismus und die große evangelikale Erweckung. Der Gast, der 1738 im Waisenhaus stand, ahnte das Spätere wohl nicht; doch breitet man die Kette aus – Halle, Zinzendorf und die Herrnhuter, Wesley, Methodismus und Erweckung –, so liegt Halle am obersten Anfang.
Neben dem Beweis
Jenes Waisenhaus steht bis heute in Halle: Die historischen Gebäude wurden 1995 restauriert, und heute lernen, arbeiten und leben rund 4.000 Menschen in ihnen. Wesleys Satz klingt der Gemeinschaft, die sich heute in dieser Stadt versammelt, besonders vertraut – was er in Halle sah, war nicht Größe, sondern der Beweis, den der Glaube hinterlassen hat. Der Beweis steht noch; wir stehen neben dem Beweis und beten weiter.
„… endlich wurde mir der Zutritt zu jenem Waisenhaus gewährt – jener erstaunliche Beweis, dass dem, der da glaubt, noch immer alle Dinge möglich sind.“
– Wesleys Tagebuch, 1738 (übersetzt)
Quellen