Halle & der GlaubePerson1667–1719
Carl Hildebrand von Canstein
der Freiherr, der mit Francke die älteste Bibelgesellschaft der Welt gründete
Eine Bibel so billig zu machen, dass auch Arme sie sich leisten konnten – dafür gründeten Freiherr von Canstein und Francke 1710 eine Bibelanstalt. Sie ist die älteste Bibelgesellschaft der Welt, 94 Jahre vor der Britischen Bibelgesellschaft.
Fünf Millionen Bleilettern
Freiherr von Canstein und Francke (August Hermann Francke, 1663–1727) gründeten 1710 die Bibelanstalt; am 21. Oktober desselben Jahres wurde die erste Cansteinbibel gedruckt. Beim gewöhnlichen Buchdruck wurden die Lettern nach dem Satz wieder abgelegt und weiterverwendet; der Satz der Cansteinschen Bibelanstalt aber wurde nie abgelegt – etwa 5 Millionen Bleilettern standen dauerhaft bereit und wurden nach Bedarf gedruckt. Dieser stehende Satz drückte die Kosten und brachte die Bibel auf einen Preis, den auch Arme bezahlen konnten.
Die Auflage
Zu Cansteins Lebzeiten druckte die Bibelanstalt etwa 100.000 Neue Testamente und 40.000 Vollbibeln; bis 1800 waren es insgesamt über 2,7 Millionen Exemplare. Dies ist die älteste Bibelgesellschaft der Welt – auf die Britische Bibelgesellschaft musste man noch weitere 94 Jahre warten.
Die Bibel in der Hand
Die chinesische Bibel, die wir heute lesen, steht mit der Cansteinschen Bibelanstalt in keiner unmittelbaren Verbindung: Die ersten chinesischen Bibeln entstanden erst 1822 (Marshman) und 1823 (Morrison). Diese Linie besteht nicht. Doch dass „jeder sich eine Bibel leisten kann“, hat in der Kirchengeschichte einen Anfangspunkt, und dieser Anfangspunkt liegt in Halle; in den Franckeschen Stiftungen besteht bis heute das Cansteinsche Bibelzentrum. Der wichtigste Besitz einer Gemeinschaft ist nichts anderes als die abgegriffene Bibel in jedermanns Hand – und gerade weil sie so gewöhnlich ist, sei jenes nicht abgelegten Bleisatzes von vor dreihundert Jahren gedacht.
Quellen